Workshops

Old Men
CN 1999, Regie: Yang Lina

LaDOC-Lecture - mit Liu Jiayin

Oxhide ist das formal durchkomponierte und gewagte Spielfilmdebüt der jungen chinesischen Regisseurin Liu Jiayin.

Eine Familie in China: Drei Personen, 23 unbewegte Einstellungen. Früher lebte die Familie von selbst hergestellten Ledertaschen. Dieses Geschäft läuft wegen des Eigensinns des Vaters sehr schlecht. Mit Sonderangeboten ließen sich mehr Taschen verkaufen.

Liu Liayin unterrichtet an der Filmakademie in Beijing.
Die Kölner Filmemacherinnen Carolin Schmitz und Christiane Büchner sprachen mit Liu Liayin über ihre Arbeitsweise und ihre ungewöhnlichen formalen Mittel.

In Kooperation mit LaDOC.


Dokumentarfilm im Dialog
Begegnungen mit Regisseurinnen aus China und Deutschland

Zahlreiche Filmschaffende aus China waren vom 23. - 27. April 2008 in Köln zu Gast. Das Interesse an intensivem Austausch war sehr groß. In Workshops sprachen deutsche und chinesische Dokumentarfilmerinnen über ihre Arbeit. Die Veranstaltung bot allen interessierten Festivalbesuchern die Möglichkeit zu Gesprächen über dokumentarisches Arbeiten und die aktuelle Situation von Filmschaffenden in China.

Bettina Braun traf Yang Lina. Beide Filmemacherinnen porträtieren in ihren Dokumentationen eine soziale Gruppe und zeigen, wie die einzelnen Mitglieder zwischen Alltag und Tradition ihr Leben definieren. Während Yang Lina sich in Old Men einer Gruppe älterer Herren in ihrer Nachbarschaft widmet, stehen bei Bettina Braun vier muslimische Jungen aus Köln im Zentrum ihres Films Was lebst du? Die Regisseurinnen sprachen über Vor- und Nachteile der digitalen Technik und der Arbeit in Mini-Teams.

Feng Yan und Sylvie Banuls diskutierten Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Langzeitbeobachtungen. Feng Yan hat für ihren Film BingaiBingai mehr als zwei Jahre eine Frau begleitet, die sich der Zwangsumsiedelung im Zuge des Drei-Schluchten-Staudammbaus widersetzte. Sie hat eine ebenso enge Beziehung zu ihren Protagonisten entwickelt wie die Münchner Dokumentarfilmerin Sylvie Banuls, die für ihr Langzeitprojekt Mutterjahre eine Kölner Familie über Jahrzehnte begleitete.

In China wie in Deutschland spielen die Fernsehsender bei der Auftragsvergabe auch für Dokumentarfilme eine zunehmend
wichtige Rolle. Anne Even, Redakteurin bei ZDF/ARTE und Ye Lei, Produzentin von Shanghai TV Station, sprachen über Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen für dokumentarische Formate im Fernsehen.

In Kooperation mit der Asienstiftung und der dfi-dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW



Vortrag von Dai Jinhua:
Regisseurinnen in China − Ein historischer Überblick


In den 1950er bis 1970er Jahren machte die neue chinesische Staatsmacht die Befreiung der Frau zur Staatspolitik und führte die politische, wirtschaftliche und rechtliche Gleichberechtigung von Frau und Mann ein. Doch unter der Flagge der Gleichberechtigung wurde der Geschlechterunterschied verneint und jeglicher Diskurs über Geschlecht unterdrückt. Deshalb genoss die chinesische Frau zwar sehr viel Freiheit, doch ihr geschlechtliches Selbstbewusstsein war auf einem Tiefststand.
In dieser Zeit wurden Frauen durch die Staatspolitik aufgefordert, in von Männern monopolisierte Branchen einzudringen – die Filmregie war eine davon. Die Regisseurin Wang Ping ist herausragend unter diesen Frauen. Seit den 1950er Jahren reiht sie sich ein in die Galerie der Mainstream-Regisseure der chinesischen nationalen Filmindustrie, doch ihr Geschlechterbewusstsein und der weibliche Selbstausdruck sind gleich Null. Im Gegenteil: ihre Werke wurden zu einer erfolgreichen Interpretation der Ideologie des politischen Mainstreams.
Diese Situation wandelte sich zwischen den 1970er und 1980er Jahren tiefgreifend. In dem Maße, wie chinesische Frauen ihr Geschlechterbewusstsein und ihre eigenen Ausdrucksformen errangen, zogen sie sich schrittweise aus der Mainstream-Kultur zurück oder wurden daraus verdrängt.

Dai Jinhua gilt als eine der einflussreichsten zeitgenössischen Kulturtheoretikerinnen und -kritikerinnen. Sie ist Professorin für Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften an der Universität Peking und an der Ohio State University und unterrichtete an der Filmakademie Peking, wo sie 1987 den Studiengang Filmtheorie einführte. 1995 gründete sie das erste chinesische Institut für Cultural Studies.
Dai Jinhua hält an verschiedenen europäischen und amerikanischen Universitäten regelmäßig Gastvorträge in den Bereichen Filmgeschichte und -theorie, Frauenliteratur und Popkultur. Sie publizierte zu Cultural Studies in China und chinesischer Filmkultur. Einen Überblick über ihre Arbeit bietet der 2002 von Jing Wang und Tani E. Barlow herausgegebene Band: Cinema and Desire: Feminist Marxism and Cultural Politics in Dai Jinhua´s Works.

(Einführung zum Film Locust Tree Village )