Die Jurybegründung

»Die in Peru geborene und in Amsterdam lebende Filmemacherin Heddy Honigmann hat in den über 30 Jahren ihrer fortdauernden Laufbahn ein umfangreiches Werk mit Spiel- und Dokumentarfilmen vorgelegt, das in Form und Inhalt beispiellos ist. Das internationale Dokumentarfilmschaffen hat sie um einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil bereichert. Neben der eleganten Bildgestaltung und dem sorgfältigen dramaturgischen Aufbau zeichnen sich ihre dokumentarischen Arbeiten vor allem durch Honigmanns außergewöhnliches Einfühlungsvermögen aus.

Es sind Begegnungen mit Menschen, die im Zentrum ihrer Filme stehen – und die sie so einzigartig machen. Heddy Honigmann agiert neugierig und empathisch, sie hört aufmerksam zu und fragt beherzt nach. Es gelingt ihr mühelos, in Beziehung zu treten, Nähe und emotionale Intensität herzustellen und ihrem Gegenüber zu ermöglichen, sich zu öffnen und Privates zu erzählen. Heddy Honigmann führt keine Interviews, sondern sie spricht mit den Menschen. So entstehen bewegende Momente, die nie ins Gefühlsselige kippen.

Es geht dabei weder um Analyse, noch um Wertung – und eher nebenbei erschließen sich aus den Erzählungen von Taxifahrern aus der verarmten Mittelklasse in Lima, von Musikern aus aller Welt in der Pariser Metro oder niederländischen UN-Soldaten historische, politische und soziale Kontexte. Charakteristisch für Honigmanns OEuvre sind darüber hinaus die immer wiederkehrenden, biografisch begründeten Themen Exil, Gedächtnis und Erinnerung sowie die Bedeutung von Musik und Kunst für das (Über)Leben. Wie allein im Vertrauen auf die Protagonisten und deren Geschichten anhand von individuellen Erlebnissen, Erinnerungen und Beobachtungen zeitgenössische gesellschaftliche Panoramen sichtbar werden, wie sich Honigmanns Filme unangestrengt und ohne Pose wider das Vergessen richten, das ist große Kunst von zutiefst humaner Qualität.«