Neue Archive

Born in Evin
(DE/AT 2019, R: Maryam Zaree) © Real Fiction Filmverleih e.K.

Jegliche Geschichtsschreibung ist angewiesen auf Archive, doch wie offen und divers sind die Archive, derer wir uns bedienen, um Geschichte (fort) zu schreiben? Wessen Geschichten und Bilder bleiben erhalten, werden (wieder) veröffentlicht und können so in erneuten Dialog mit der Gegenwart treten? Wie es sich anfühlt, nicht Teil einer kollektiven Erinnerungskultur zu sein, und was man tun kann, um dennoch gehört und erinnert zu werden, davon erzählen die Filme in diesem Programm.

Mi 10.04., 18 Uhr, Schauburg 2
Black Hole
Kurzfilm, DE 2009, 2', R: Johanna Reich

The Watermelon Woman
Spielfilm, USA 1996, 83', R: Cheryl Dunye

Für ein Filmprojekt begibt sich Dunye auf die Suche nach einer schwarzen, lesbischen Schauspielerin, die in den 1930er Jahren als „The Watermelon Woman“ bekannt war. So plausibel ihre Entdeckungen auch scheinen – die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation verschwimmt zunehmend in der smarten und höchst selbstreflexiven Mockumentary.
In Kooperation mit LAG Lesben NRW. 

Mi 10.04., 20.15 Uhr, Schauburg 2
Dykes, Camera, Action
Dokumentarfilm, USA 2018, 61', R: Caroline Berler

Caroline Berler erzählt mit vielen Filmausschnitten die Geschichte des lesbischen Kinos. Dafür trifft sie die Protagonist*innen der US-amerikanischen Szene, die unterhaltsam schildern, wie sie queere Identität in Filmen wahrnehmen. Der Blick auf die wenigen lesbischen Figuren des Mainstream-Kinos lässt die großartige Selbstermächtigung dieser Film-Frauen noch klarer hervortreten.
In Kooperation mit LAG Lesben NRW. 

Do 11.04, 18 Uhr, Kino im U, Tickets
Audienzen – Strategien der Selbstbehauptung 
Dokumentarfilm, DE 2007, 52', R: Barbara Metselaar Berthold, Tina Bara

Die eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien der preisgekrönten Künstlerinnen Evelyn Richter und Ursula Arnold erzählen mehr leise als laut vom Leben in Dresden, Leipzig und Berlin. Die Gespräche, die mit den Filmemacherinnen entstehen, sind Lektionen in deutscher Geschichtsschreibung.
Im Anschluss: Gespräch mit Barbara Metselaar Berthold und Tina Bara.

Do 11.04., 20 Uhr, Schauburg 2
Yours in Sisterhood
Dokumentarfilm, USA 2018, 101', R: Irene Lusztig

Was bedeutet es, Feministin zu sein? Über bis dato unveröffentlichte Leserbriefe an das 1972 gegründete „Ms. Magazine“ erkundet Irene Lusztig mit ihren Vorleser*innen Fort- und Rückschritte der Frauenbewegung. Ein intimer, mutiger und zutiefst bewegender Dialog zwischen damals und heute.

Fr 12.04., 17 Uhr, domicil
Her Name in My Mouth
Kurzfilm, GB, 2017, 6', R: Onyeka Igwe

The Grand Bizarre
Experimentalfilm, USA 2018, 60', R: Jodie Mack

Zu einem poppigen Soundtrack erfahren Textilstoffe ihr Eigenleben: sie klettern aus Koffern, kriechen über Gepäckbänder und reisen mit Schiffen. Mit ihren Farben und Mustern tragen sie heimische Geschichten in atemberaubender Geschwindigkeit in die ganze Welt.

Fr 12.04., 17.30 Uhr, Schauburg 2
Der zweite Anschlag
Dokumentarfilm, DE 2018, 62', R: Mala Reinhardt

Mit erschreckender Kontinuität wiederholen sich in Deutschland rassistisch motivierte Anschläge gegen Menschen mit migrantischem Hintergrund. In „Der zweite Anschlag“ kommen Betroffene dieser Gewalt zu Wort. Das Erzählen und Erinnern nach langem Schweigen wird zu einem Akt der Selbstbestimmung und des politischen Handelns.
Diskussion im Anschluss mit: Mala Reinhardt, Ayşe Güleç und Özge Pınar Sarp (Protagonistinnen)

Sa 13.04., 18 Uhr, domicil
Mi 17.04., 20 Uhr, Lichtspiele Kalk Köln
Café Kosmos

Das in Kooperation mit Interkultur Ruhr und der Akademie der Künste der Welt entstandene Programm wirft einen Blick auf das Ruhrgebiet der 1950er bis 80er Jahre. Zeitgenössische Zeugnisse von Amateurfilmer*innen werden präsentiert. Die Spanne reicht von subversiv entfesselten Szenarien im Partykeller bis zum inszenierten Standardtag der heterosexuellen Kleinfamilie.
„Wie Amateurfilme zeigen?“ ist die Fragestellung im anschließenden Gespräch mit Karola Gramann, Kinothek Asta Nielsen.
In Kooperation mit Interkultur Ruhr, Stiftung Ruhr Museum und Akademie der Künste der Welt


So 14.04., 11.30 Uhr, Kino im U
Salongespräch
Vergnügungen und öffentliche Lustbarkeiten im Ruhrgebiet der Jahrhundertwende

Das thematische Programm wird von weiteren Veranstaltungen flankiert. „Vergnügungen und öffentliche Lustbarkeiten im Ruhrgebiet der Jahrhundertwende“ heißt das Salongespräch mit der Historikerin Lisa Kosok. Es widmet sich den Variétés, Zirkusschauen und Vergnügungsparks als Orten des Vergnügens. Ob und inwieweit diese auch Frauen Freiräume boten, wird in einem Gespräch und mit bisher kaum veröffentlichtem Bildmaterial und zwei Kurzfilmen reflektiert: „Salomé“ aus dem Jahr 1910 und „Komm Du kleines Kohlenmädchen“ (um 1907).

Salomé
IT 1910, 8', R: Ugo Falena, mit: Francesca Bertini, koloriert, stumm
Salomé bezaubert mit dem Schleiertanz die versammelte Geburtstagsgesellschaft ihres Stiefvaters Herodes und fordert dafür den Kopf des eingekerkerten Täufer Johannes.

Komm du kleines Kohlenmädchen
Tonbild, DE ca. 1907, 1', Produktion: Oskar Messter
Fritzi Massary und Joseph Giampetro singen vor einem gemalten Bühnenprospekt mit einer großstädtischen Ansicht das Lied „Komm du kleines Kohlenmädchen“.

Betty Schiel im Gespräch mit Lisa Kosok.
 

So 14.04, 14 Uhr, Schauburg 2
Born in Evin
Dokumentarfilm, DE/AT 2019, 98', R: Maryam Zaree

Die bereits als Schauspielerin erfolgreiche Maryam Zaree (Grimme-Preis für ihre Rolle in „4 Blocks“)  begibt sich für ihr Regiedebüt auf die Suche nach den gewaltvollen Umständen ihrer eigenen Geburt in Evin, einem der berüchtigtsten politischen Gefängnisse des Iran.
Im Anschluss: Gespräch mit Maryam Zaree

So 14.04., 16.30 Uhr, Schauburg 2
Millis Erwachen
Dokumentarfilm, DE 2018, 47', R: Natasha A. Kelly

Empowerment durch politisches Sprechen. Acht afrodeutsche Aktivistinnen und Künstlerinnen verschiedener Generationen erzählen – ausgehend von biografischen Eckdaten – über ihr Leben und ihre künstlerische Praxis in Deutschland.
Diskussion im Anschluss mit Naomi Beukes (Künstlerin) und Sheri Hagen (Schauspielerin, Regisseurin, Mitglied unserer diesjährigen Jury)