Fokus: Nach der Wende 1990|2020

Lange Weile (R: Tina Bara)

Mit dem thematischen Fokus »Nach der Wende 1990|2020« rückt das Festival ostdeutsche Erfahrungen im Filmschaffen von Regisseurinnen ins Licht. Wir befassen uns dabei mit einem weitgehend unerforschten Bereich der deutschen Filmgeschichte, der konzeptuell Pionierarbeit erfordert. Diese Arbeit will das IFFF Dortmund | Köln leisten, indem es Regisseurinnen, Kuratorinnen, Denkerinnen fragt, welche Filme für sie relevant sind, um die jüngere deutsch-deutsche Geschichte zu verstehen. Das Programm bietet eine vielstimmige Bestandsaufnahme, die dazu einlädt, filmische Kostbarkeiten neu oder wiederzuentdecken und zu diskutierten. Das Programm bietet eine Kontinuität an, wo es vorher keine gab. Darin öffnet es Raum für Brüche, utopische Lebensentwürfe, Neuanfänge und marginalisierte Perspektiven. Es stellt Menschen in den Mittelpunkt, die sich subversiver Strategien bedienen, um ihre Spielräume auszuweiten. Kann man davon auch heute noch lernen?

Die Regisseurin Annekatrin Hendel fragt in ihren Filmen, wie man Ostdeutschland anders erzählen kann. Sie gibt auch zu bedenken, dass gerade Filme von Frauen Mainstream-Erzählungen des vereinten Deutschlands hinterfragen. Es ist Zeit, Unterschiede gegenseitig anzuerkennen, um variable gesamtdeutsche Haltungen zu finden. Dabei ist es hilfreich, Filme als Phänomen der Krisenbewältigung zu verstehen, die uns eine neue Erinnerungskultur ermöglichen. Ostdeutsche Stimmen fordern vermehrt Gehör. Der Grund dafür liegt nicht nur im Generationswechsel, sondern auch in einem Ungleichgewicht der Sichtbarkeit von Lebensrealitäten, das für die politischen Zerwürfnisse in Deutschland mitverantwortlich ist. Filme von Frauen aus drei Generationen dienen uns als Bausteine, mit denen wir eine Brücke schlagen, die uns die heutige Situation begreifbarer macht.

Mit Beiträgen von Tina Bara, Annekatrin Hendel, Therese Koppe, Grit Lemke, Petra Tschörtner, u.v.a.



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