Die Preisträgerin

Helga Reidemeister

Helga Reidemeister erhält den ersten Dortmunder Dokumentarfilmpreis

Das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln vergibt den ersten Dortmunder Dokumentarfilmpreis an Helga Reidemeister. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis – gestiftet von der Sparkasse Dortmund – würdigt das Lebenswerk von Regisseurinnen für ihre Verdienste um den europäischen Dokumentarfilm. Mit Helga Reidemeister zeichnet das Festival eine Filmemacherin aus, die seit 40 Jahren konsequent und ausschließlich Dokumentarfilme macht, sich brisanter Themen annimmt und die beunruhigenden Seiten der Wirklichkeit beschreibt. Im Zentrum vieler ihrer Filme stehen dabei Menschen, die sich auch in schwierigsten Umständen nicht unterkriegen lassen. Beim Blick auf Biografien und Schicksale, die sie faszinieren, verliert Reidemeister nie die politischen und sozialen Implikationen und Strukturen aus dem Fokus. Für sie ist und bleibt das private politisch.

Helga Reidemeister, gebürtig in Halle an der Saale, studierte Malerei an der Hochschule für bildende Kunst und Film an der DFFB in Berlin. Politisiert durch die Studentenbewegung, arbeitete sie zwischen 1968 und 1973 als Sozialarbeiterin im Berliner Neubaugebiet Märkisches Viertel. Hier entstand 1974 ihr erster Film Der gekaufte Traum über eine Arbeiterfamilie. Es folgten vielfach preisgekrönte Filme unter anderem über Kinder auf Moskauer Krebsstationen, Frauen im Gefängnis, Friedensaktivist_innen oder den Abzug der sowjetischen Armee aus Berlin, bis sie 2002 nach Afghanistan ging, wo ihre Filme Texas – Kabul und Mein Herz sieht die Welt schwarz – Eine Liebe in Kabul entstanden.

In Dortmund zeigt Helga Reidemeister anlässlich der Preisvergabe noch einmal ihren Film Mein Herz sieht die Welt schwarz – Eine Liebe in Kabul.



Mein Herz sieht die Welt schwarz - Eine Liebe in Kabul
Regie: Helga Reidemeister, D 2009, Dokumentarfilm, 87’

Ein Hahnenkampf, Männer in dunklen Umhängen, Frauen in bunten Tüchern und schlichten Gewändern. Die Konzentration, die Strenge der Form, mehr als Indizien dafür, dass auf die Bilder Verlass ist. Mein Herz sieht die Welt schwarz ist ein großer Film der Regisseurin Helga Reidemeister. In Afghanistan, wo unser Land mit Spürpanzern einmarschiert, besucht sie samt Team Familien in lehmigen Hütten. Eine dösende Katze in der Mittagssonne, im Hintergrund Bombengrollen. Ihre langsamen Bilder geben Zeit, die Menschen kennen zu lernen. Kameramann Lars Barthel wird 2009 für den Deutschen Kamerapreis nominiert. In einem vom Krieg zerrütteten Land, in dem der Mensch nicht sehr viel zählt, sucht das Team nach Individualität und Selbstbestimmung und steigt ein in den Kampf um Menschlichkeit. So entsteht ein Portrait zweier Familien und einer Liebe, die verboten sein soll. Hossein und Shaima wollen glücklich sein. Doch der Krieg kennt kein Glück, keine Gewinner. Was zählt, ist, wer wen ernährt. Das bestimmt den Preis des Lebens und der Liebe.